Bald ist es soweit. Die MV SAN GOTTARDO startet ins grosse Abenteuer. So bald das Wetter dies erlaubt, werden wir los fahren. Als letzten Blogbeitrag zum Thema Vorbereitungsarbeiten ein Blick in eine Welt, die nicht sichtbar ist. Gerade deshalb ist der Stromfluss oder ein elektrisches Schema für viele nicht einfach zu verstehen. Die Arbeit am Stromsystem vom Schiff ist extrem anspruchsvoll. Drei verschiedene Stromsysteme arbeiten parallel: 24 Volt, 220 Volt und 400 Volt. Und damit es auch für Profis nicht zu einfach wird; für die 400 Volt-Versorgung sind zwei verschiedene Einspeisungen möglich. Das eine System arbeitet wie bei uns in der Schweiz, das andere ist für das Norwegische System vorgesehen, das ohne Nullleiter arbeitet.

Während der Fahrt wird das Schiff mit einem kleinen Generator (Alternator) mit Strom versorgt, der direkt am Hauptmotor angeflanscht ist. Dieser hat im Stand einen sehr hohen Standby-Stromverbrauch. Um das zu unterbinden, habe ich einen Schalter in die Hauptstromleitung eingebaut. Für die Interessierten hier eine kurze Erklärung zum Stromverbrauch vom Schiff während der Fahrt und zu unserem grossen Stromfresser.

Vom Auto sind wir gewohnt, den Schlüssel umzudrehen und den Motor so zu starten. In den Anfängen des Automobilbaus brauchte es kräftige Männer, um den Motor mit einer Kurbel zu starten. Damit dies heute so simpel mit dem Schlüssel möglich ist, braucht es einen Elektromotor (Anlasser), der den Motor so lange dreht, bis er aus eigener Kraft weiter läuft. Dieser Anlasser braucht Strom. Das Licht vom Auto braucht Strom und natürlich auch die Musikanlage, das Navi usw.

Dieser Strom wird von einem kleinen Generator (Alternator) erzeugt, der am Motor angebaut ist und von diesem auch angetrieben wird. Der so erzeugte Strom fliesst in die Batterie. Zusammen ist das ein komplexes System, das im Normalfall gut aufeinander abgestimmt ist und problemlos läuft.

Das alles hat die MV SAN GOTTARDO auch. Nur dass die Dimensionen dieses Systems viel aufwendiger sind. Denn damit unser Schiff sicher durch die arktischen Gewässer navigiert und gesteuert werden kann, braucht es viele stromfressende Aggregate. Also nicht nur der Antrieb (Motor, Motorsteuerung usw.) braucht viel Strom, sondern auch die Navigation, das Radar oder die Kommunikation. Als ob das nicht schon genug wäre, sind alle diese Systeme mindestens doppelt vorhanden, die ganz wichtigen sogar dreifach.

Im Stand werden viele dieser Systeme nicht gebraucht und abgeschaltet. Einige davon müssen immer laufen. Damit dies ohne Generatorbetrieb möglich ist, sind auf dem Dach genug Solarzellen montiert.

Bei der Fahrt müsste der am Motor angeflanschte Alternator (wie beim Auto) genügend elektrische Energie liefern, damit alle Systeme mit Strom versorgt werden können. Die Testfahrten im vergangenen Sommer haben gezeigt, dass wir ein riesiges Stromdefizit haben. Um das zu kompensieren, musste Strom aus den grossen Bordbatterien benutzt werden. Nach 24 Stunden Fahrt waren diese leer und einer der beiden Diesel-Bordgeneratoren musste zugeschaltet werden. Eine unschöne Geschichte, denn er brauchte viele Stunden, um die Bordbatterien wieder voll zu laden.

Also haben wir einen viel leistungsfähigeren Alternator montiert. Dieses kleine Kraftpaket (im Bild weiss) liefert bei 24 Volt 150 Ampere, also rund 3600 Watt. Eine tolle Sache, die eine gemeine Schattenseite hat. Nach getaner Arbeit, also wenn das Schiff steht, frisst das kleine Miststück still und heimlich die ganze Energie, die es zuvor in die Batterien eingespeist hat. Um das zu unterbinden, habe ich eben diesen roten Schalter montiert. Er unterbricht im Stand die Ladeleitung vom Alternator zur Batterie. Damit habe ich sicher gestellt, dass unsere Batterien im Stand nicht mehr so schnell entladen werden.

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