Im Facebookbeitrag vom 10. Mai 2018 haben wir von unserem Teamtreffen berichtet, bei dem wir gemütlich an einem Grill das Projekt und das weitere Vorgehen besprochen haben. Grill, Fleisch essen und dabei ernsthaft über den Klimawandel reden, geht das? Ricardo Raimo findet, das geht gar nicht. Er hat uns mit viel Wohlwollen daran erinnert, dass wir im Schaufenster sitzen und mit gutem Beispiel voran gehen sollten. Ich habe ihn gebeten, seine Gedanken und Fakten in einem Blogbeitrag zusammen zu fassen. Sein Beitrag hat mich sehr zum Nachdenken angeregt und ich hoffe, dass er auch bei Euch gern verdrängte Fakten in Erinnerung ruft und neue Zusammenhänge aufzeigt. Hier sein Text:

Was das Schnitzel auf unserem Teller mit dem Leid des Polarbären zu tun hat, wussten wir vor nicht so langer Zeit selber noch nicht. Wer will schon dem Polarbären und anderen wunderbaren Tieren bewusst Leid zufügen? Genau um das Wort Bewusstsein geht es heute, denn viele wissen nicht, dass Ökologie und Umweltbewusstsein beim Essen anfängt.

Wir, Riccardo und Tom von V-Form haben unsere Wurzeln in der Branche. Riccardo hat 2012 die Lehre als ehemaliger „Metzger B“ abgeschlossen während Tom von 1993 bis 1996 die Ausbildung als Koch gemacht hat und davor für ein Jahr in einer Metzgerei mit Schlachthof tätig war.

Wir (Ricci & Tom) ernähren uns schon seit einiger Zeit rein pflanzlich. Die Beweggründe sind vielseitig. Der Hauptgrund war für uns beide die Verbindung zu Tieren. Nicht zu unterschätzende Gründe sind aber auch die Gesundheit & die Umwelt. Heute möchten wir aber mal auf die Themen Umwelt & Tierliebe eingehen.

Uns war nicht bewusst, welchen Einfluss der Fleischkonsum auf unsere Umwelt hat. Es beeinflusst unser Klima viel stärker als wir denken. Nachdem wir die Doku „Cowspiracy“ gesehen haben, fingen wir an noch mehr über dieses Thema zu lernen und zu hinterfragen.

Folgende Fakten haben wir dabei zusammengetragen…

Wussten Sie zum Beispiel dass;

  • für 1 Kilo Rindfleisch 16 Kilo Getreide benötigt wird? 1
  • für 1 Kilo Rindfleisch 15‘400 Liter Wasser benötigt wird? 2
  • für 1 Kilo Käse 5‘000 Liter Wasser benötigt wird? 2
  • für 1 Liter Eier 3‘300 Liter Wasser verbraucht wird? 2
  • für 1 Liter Kuhmilch 1‘020 Liter Wasser verbraucht wird? 2
  • für 1 Kilo Fleisch aus Europa Emissionen von rund 27 Kilo Kohlendioxid entstehen, während 1 kg
  • Fleisch aus Südamerika sogar auf rund 59 Kilo CO2 kommt? 3
  • für 1 Kilo Butter 24 Kilo CO2 ausgestossen werden? (im Vergleich: für 1 kg Brot nur 780 Gramm CO2)

Über 90% des global angebauten Sojas, wird für Tierfutter verwendet. Für die riesigen Monokulturen Soja wird täglich hektarweise Regenwald gerodet. Wenn man nun den fehlenden Kohlenstoffspeicher der Pflanzen mit dem CO2 Ausstoss addiert, kommt man auf rund 335 Kilo CO2 pro Kilo Fleisch. Um die gleiche Belastung mit einem europäischen Durchschnittsauto zu generieren, müsste man 1502 km fahren. So könnte man beispielsweise von Zürich bis nach Göteborg in Schweden fahren. 3

Täglich verdursten über 10‘000 Menschen, während wir mit unmengen an Wasser Futter für Tiere und tierische Lebensmittel erzeugen. Ausserdem landen von 100 Kalorien, welche an Nutztiere verfüttert werden, nur 3 Kalorien wieder bei uns auf dem Teller. Der Preis dafür ist die Rodung des Amazonas um Tierfutter in Ländern anzupflanzen, wo nicht mal alle Menschen genug Essen haben.

Weitere Fakten sind auch sehr eindrucksvoll.

  • Um sich ein Jahr lang vegan zu ernähren benötigt man 680 m2 Land
  • Vegetarisch sind es 2‘040 bis 3‘000 m2 Land
  • Omnivor/„Allesesser“ rund 12‘240 m2 (!!)4

..und da soll noch einer sagen man bewirkt alleine nichts…

Auf einer Landfläche bei der 50kg Rindfleisch erzeugt werden kann, könnte man im gleichen Zeitraum 1000 kg Kirschen, 4000 kg Äpfel, 6000 kg Karotten, 8000 kg Kartoffeln oder 10‘000 kg Tomaten erzeugen.1 Würde die Getreideernte für Tierfutter zu Nahrungsmittel für Menschen verarbeitet werden, dann könnten vier Milliarden Menschen mehr ernährt werden.4

CO2 & Treibhausgase

Alle reden von CO2, Klimawandel und deren Zusammenhang.

Was ist der Unterschied zwischen CO2, Methangas und Lachgas? Woher kommen diese Gase und welche Auswirkungen haben sie auf unser Klima?

Die landwirtschaftliche Bearbeitung des Bodens, Stickstoffdüngemittel und die Tierhaltung sind entscheidende Emissionsquellen für die Treibhausgase Lachgas und Methan. 2012 stammten 53% der gesamten Methan- und sogar 77% der Lachgas-Emissionen aus der Landwirtschaft!5

Methan ist ca. 25x so schädlich wie CO2. 5

Lachgas ist ca. 300x so schädlich wie CO2. 5

Es ist heute bekannt, dass die Massentierhaltung einer der grössten Faktoren ist, die den Klimawandel beeinflussen. Effiziente Minderungsmaßnahmen sind daher dringend erforderlich. Weitere Umwelt-Fakten aus der Massentierhaltung:

  • 45% der bewohnbaren Erdoberfläche wird für Viehzucht verwendet.
  • Tierische Landwirtschaft ist die Hauptursache für das Aussterben von Arten, für tote Meereszonen, für Wasserverschmutzung und die Zerstörung von Lebensräumen von Menschen und Tieren. 6
  • Viehzucht hat in unseren Ozeanen mehr als 500 mit Stickstoff geflutete tote Zonen geschaffen.
  • Grösstes Spezies-Massensterben in 65 Millionen Jahren (seit der Auslöschung der Dinosaurier).6
  • Ein Betrieb mit 2‘500 Milchkühen produziert genauso viele Exkremente wie eine Stadt mit 411‘000 Einwohnern.

Die Gesundheit unseres Klimas ist auch massgebend vom Zustand unserer Meere abhängig. Dieses sensible Ökosystem muss geschützt werden. Unsere Meere arbeiten als grosse CO2 Schlucker. Wie lange das aber in diesem Ausmass noch möglich ist und was die Übersäuerung der Meere für Folgen hat lässt sich nur erahnen. Millionen Kubikmeter Gülle landen aufgrund der Tierhaltung im Wasser.7 Problematisch ist das Nitrat, eine Stickstoffverbindung welche im Kot und Urin von Schweinen, Hühnern und Rindern steckt. Nebst der ganzen Gülle aus der Tierhaltung und anderen Belastungen die wir Menschen dem Meer zumuten, kommt auch noch die Fischerei als Umwelt-Vernichter hinzu.

80% Der weltweiten Fischbestände sind überfischt.7 Viele Bestände sogar ausgerottet und werden sich nie wieder erholen. Um die gewaltige Nachfrage nach Fisch zu decken, werden jedes Jahr weltweit zwischen 970 und 2‘700 Milliarden Fische gefangen. Auf ein Kilo Fisch kommen ca. vier bis fünf Kilo Beifang. Als Beifang werden in der Fischerei diejenigen Fische und andere Meerestiere bezeichnet, die zwar mit dem Netz oder anderen Massenfanggeräten gefangen werden, nicht aber das eigentliche Fangziel des Fischens sind. Der Beifang wird zum Teil verwertet, zum größten Teil aber als Abfall wieder über Bord geworfen (Fachausdruck Discard oder auch Rückwürfe). Häufig überleben die beigefangenen Tiere den Fang und Rückwurf nicht oder werden schwer verletzt. Aufgrund gesetzlicher Regelungen dürfen die Fischer manche beigefangenen Fische gar nicht anlanden, auch wenn diese verwertbar wären. Auch Wale, Delfine, Robben, Meeresschildkröten, Seevögel, Haie und Rochen sterben als Beifang.7

Als Beifang enden laut Greenpeace pro Jahr unter anderem 100 Millionen Haie und Rochen, etwa 300‘000 Wale und Delfine und 100‘000 Albatrosse. Nach Angaben des WWF sterben pro Jahr unter anderem 250‘000 Meeresschildkröten aufgrund der Fischerei.

Das klingt alles verrückt und die Zahlen sind erschreckend. Aber was geht mich das an? Und was für einen Einfluss habe ich darauf? Einen sehr grossen!

Mal angenommen man lebt ein Jahr lang vegan. Dann spart man folgende beeindruckende Mengen an Wasser, Getreide, CO2, Regenwald ein und rettet damit eine Vielzahl an Tierleben.

Nebst den ganzen ökologischen Aspekten wollen wir es aber nicht unterlassen den wichtigsten Punkt etwas zu verdeutlichen. Das Zusammenleben mit unseren tierischen Freunden. Es hat eine Weile gedauert bis wir beide erkannt haben, dass Tiere Freunde und nicht Essen sind. Die Tiere haben es nicht verdient von unsere Spezies in diesem Ausmass ausgebeutet zu werden, wie es heute der Fall ist. Sie haben mit uns unheimlich viel gemeinsam und vertrauen uns. Wir sind Ihnen in vielen Hinsichten überlegen und in anderen aber auch klar unterlegen. Wir können sehr viel von ihnen lernen. Sie sind nicht Produkte.

Was uns mit den Tieren verbindet sollte genügen um unser Verhalten ihnen gegenüber zu hinterfragen.

  • Wir haben Augen um zu sehen.
  • Wir haben Ohren um zu hören.
  • Wir haben eine Nase um zu riechen.
  • Wir haben eine Zunge um zu schmecken.
  • Wir haben ein Gehirn um zu denken.
  • Wir haben Emotionen und empfinden Gefühle wie Freude, Angst, Liebe, Schmerz, Langeweile, Neugier…
  • Wir paaren uns um uns fortzupflanzen.
  • Wir lieben unsere Kinder.
  • Wir pflegen soziale Kontakte.
  • Wir pflegen Freundschaften und leben in Herden (Familie).
  • Wir fühlen Schmerzen.
  • Wir mögen Zärtlichkeiten.
  • Wir spielen gerne.
  • Wir geniessen es wenn uns die Sonne wärmt.
  • Wir wollen in Frieden leben und nicht getötet werden.

Wir sollten anfangen zu erkennen was uns verbindet, statt uns auf Äusserlichkeiten zu begrenzen die uns unterscheiden.

Wenn wir heute in einer Zeit leben, wo das Töten von Tieren weder zeitgemäss, notwendig noch ökologisch ist, sollten wir uns fragen, warum wir es noch tun? Wir geben für dieses Leid und die Zerstörung unseres Planeten sogar noch Geld aus. Wenn wir nun also wissen, dass das was auf unserem Teller liegt, massgebenden Einfluss auf unsere Umwelt, unsere Gesundheit und die Tiere hat, wäre es nicht eine logische Schlussfolgerung auf eine ausgewogene, schmackhafte, rein pflanzliche Ernährung umzustellen?

Es ist einfacher als Sie denken, denn die vegane Küche bietet ein Universum an Abwechslung und vielseitigen Köstlichkeiten, welche darauf warten, von Ihnen entdeckt zu werden.

Während Sie diesen Artikel gelesen haben sind vermutlich knapp zehn Minuten vergangen. Wenn wir jetzt davon ausgehen dass Sie schnell lesen und nur sieben Minuten gebraucht haben, dann sind in dieser Zeit trotzdem folgende Tiere für Essen gestorben: 8

Zurück zu unserem Titel…

Was hat nun „mein“ Schnitzel auf dem Teller mit dem Leid des Polarbären zu tun? Bereits die Entscheidung was bei uns auf dem Teller landet, beeinflusst die Umwelt, somit auch unser eigenes Leben und das Leben anderer Tiere. Wenn wir dem Polarbären nichts antun möchten, können wir, indem wir beispielsweise einem Schwein, einem Kalb, einem Huhn oder einem Fisch auch nichts antun, unserem wundervollen Planeten etwas gutes tun.

„While some people are waiting and hoping for changes – others are the change” – V-Form

Quellen:

http://www.cowspiracy.com/facts

1 Wie viel Getreide wird an Tiere verfuttert?
http://www.vegetarismus.ch/info/6.htm
https://secret-wiki.de/wiki/Fleisch
https://www.peta.de/umwelt#.WKLgthLhCi4
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2211912416300013
https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/fleisch/fleisch-frisst-land/
http://www.deutschlandfunkkultur.de/deutsches-stallvieh-frisst-amazonischelebensvielfalt.954.de.html?dram:article_id=266532
https://www.rtl.de/cms/fleischatlas-unser-hunger-auf-fleisch-macht-die-erde-krank-1379155.html
https://www.abenteuer-regenwald.de/bedrohungen/fleisch

2 Wasserverbrauch der tierischen Produkte
http://wfn.project-platforms.com/Reports/Mekonnen-Hoekstra-2012-WaterFootprintFarmAnimalProducts.pdf
https://www.peta.de/milchindustrie
http://wasserkarawane.de/pdf_dokumente/taz%20wasserverbrauch.pdf

3 Fleischkonsum im Vergleich zu Autofahren | Wie viel Co2 auf ein Kilo Fleisch?
https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-07/klimakiller-fleisch
https://www.wiwo.de/technologie/umwelt/studie-wie-fleischkonsum-dem-klimaschadet/7393496.html

4 Wie viele Menschen werden satt?
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/heutiges-ackerland-koennte-vier-milliarden-menschenmehr-ernaehren-a-914457.html
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/vegan-macht-viel-mehr-menschensatt?utm_source=vtw18-04&utm_medium=email&utm_campaign=vtw-nl
http://www.earthsave.org/pdf/ofof2006.pdf
https://link.springer.com/article/10.1007/s10584-014-1169-1
http://static.ewg.org/reports/2011/meateaters/pdf/methodology_ewg_meat_eaters_guide_to_health_and_climate_2011.pdf

5 Co 2 im Vergleich mit Methangas und Lachgas
https://www.arktik.de/CO2-ausgleich/hintergrundinfos
https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/umweltbelastungen-derlandwirtschaft/lachgas-methan
https://vebu.de/tiere-umwelt/umweltbelastung-durch-fleischkonsum/
http://www.fr.de/wissen/klimawandel/methan-die-verdraengte-klima-gefahr-a-731784
https://www.universityofcalifornia.edu/longform/where-do-greenhouse-gas-emissions-come
https://www.umwelt-im-unterricht.de/hintergrund/fleischkonsum-klima-und-umweltbilanz/

6 Fleischkonsum beschleunigt Artensterben
https://vebu.de/tiere-umwelt/umweltbelastung-durch-fleischkonsum/klimawandel-industriellelandwirtschaft-als-ursache/

7.1 Verschmutzung des Wassers
https://www.zeit.de/2014/37/massentierhaltung-guelle-grundwasser-bruessel

7.2 80% der globalen Fischbestände sind überfischt
https://www.facebook.com/FishFeel.org/videos/1741936472696444/
http://www.un.org/depts/los/convention_agreements/reviewconf/FishStocks_EN_A.pdf
https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/fische-sozial-empfindsam

8 Wie viele Tiere sterben jährlich für unseren Konsum?
https://www.ciwf.org.uk/media/3640540/ciwf_strategic_plan_20132017.pdf
http://thevegancalculator.com/animal-slaughter/
http://thevegancalculator.com/#calculator

Share This