Die Zeit der langen Nacht ist auch in Nordnorwegen vorbei. Noch sind die Temperaturen für Schweizer Verhältnisse kalt. Normalerweise bewegen sich jetzt die Tagestemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. An warmen Tagen wird es schon mal 10 Grad. Dass die MV SAN GOTTARDO den ungeplanten Winterschlaf weit nördlich vom Polarkreis gut überstanden hat, verdanken wir nicht zuletzt dem Hafenmeister Karl Behrens von Risøyhamn. Täglich hat er das Schiff kontrolliert und die Leinen geprüft und nötigenfalls nachgezogen. Bei schwerem Wetter hat er sogar zusätzliche Leinen gelegt. An dieser Stelle ganz grossen Dank an Karl für diesen Einsatz.

Ein Schiff wie die MV SAN GOTTARDO kann nicht einfach ausgeschaltet werden. Viele Systeme müssen runter gefahren werden, andere dürfen erst gar nicht ausgeschaltet werden. Es wäre fatal, wenn zum Beispiel die Heizung abgeschaltet würde. Die Wasseraufbereitungsanlage und das ganze Wassersystem würden einfrieren und schweren Schaden nehmen.

Die Zeit ist jetzt gekommen, um die MV SAN GOTTARDO aus dem Winterschlaf zu wecken. Meine Frau Doris und ich reisen Mitte Mai für die Vorbereitungsarbeiten zum Schiff. Es warten noch viele Arbeiten auf uns, bevor die Reise in die Arktis starten kann. Alle Systeme müssen hochgefahren und geprüft werden. Die Hauptmaschine, Kompressoren, Generatoren und alle anderen Aggregate müssen gewartet werden. Wir haben uns entschieden, das jetzige Satellitentelefon mit einem neuen Iridium-Pilot Satellitensystem zu ergänzen, damit die Teilnehmer ihre Bloggposts jederzeit in die Schweiz senden können.

Die MV SAN GOTTARDO sieht eigentlich gut aus. Doch das Meerwasser im Norden ist extrem salzhaltig. An verschiedenen Stellen haben sich hässliche Rostblasen gebildet. Damit sich unser Expeditionsschiff bei der Ankunft vom Team von der besten Seite zeigen kann, müssen alle Rostflecken abgeschliffen und neu gestrichen werden. Es gibt also viel zu tun, bevor wir anfangs Juni die Fahrt Richtung Spitzbergen starten können.

Eine unerwartete Überraschung gab es noch drei Tage vor der Abreise. Das neue Satellitensystem konnte nicht rechtzeitig in die Schweiz geliefert werden. Wir entschieden uns deshalb kurzfristig, das System persönlich beim Europäischen Vertreter in Paris abzuholen. Auf den Produktefotos die wir erhalten hatten, sah die 12 Kg-schwere Satellitenantenne nicht speziell gross aus. Wir sind davon ausgegangen, dass wir diese ganz normal mit dem Fluggepäck mitbringen können. Tatsächlich ist das Teil riesig und ich weiss jetzt noch nicht, wie wir sie nach Norwegen bringen können. Ich hoffe einfach, dass es beim einchecken in Kloten keine Probleme geben wird. Carol Husi von unserem Reisepartner Kontiki Reisen hat die Fluggesellschaft schon mal vorgewarnt.

Das Team wird sich weiter in der Schweiz auf die Expedition vorbereiten. Zwei Highlights stehen noch bevor. Wir erhalten von Conrad Electronic AG zwei Videodrohnen der neusten Bauart. In einem Spezialworkshop wird das Team lernen, wie sie diese Videodrohnen einrichten und auch unter schwierigen Bedingungen steuern kann. Zudem werden alle Teilnehmer lernen müssen, wie man mit einer Waffe richtig umgeht, denn während der Expedition müssen aus Sicherheitsgründen immer zwei Gewehre und zwei Pistolen mitgeführt werden. Weitere Informationen zu diesen beiden Events folgen.

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