«In 2 Stunden wird ein heftiger Sturm mit über 100 km/h über das Rothorn fegen. Ihr habt keine Möglichkeit euch in Sicherheit zu bringen und müsst dem Sturm hier draussen trotzen», erklärte uns Projektleiter Charles Michel. Die einzigen Hilfsmittel, die er uns zur Verfügung gestellt hatte, waren ein Zelt, eine Schaufel und eine Schneesäge. Im ersten Moment warfen wir uns gegenseitig fragende Blicke zu, doch nach kurzer Besprechung und mit viel Körpereinsatz haben wir es schliesslich sogar noch vor Ablauf der 2 Stunden geschafft, das Zelt fertig aufzubauen und vor dem Wind zu schützen.

Diese Situation war glücklicherweise nur eine Übung, doch in der Arktis kann auch trotz grösster Sicherheitsmassnahmen immer etwas passieren. Um uns darauf vorzubereiten, verbrachten wir dieses Wochenende 3 spannende Tage im Hotel «Juhui» in einem Trainingscamp in der Lenzerheide. Neben einem Sicherheitsbriefing von unserem Kapitän Charles Michel definierten wir auch den «Student Climate Report 2018» zum Thema Permafrost, den wir diesen Sommer auf der Expedition erarbeiten werden.

Mein persönliches Highlight war der Vortrag von Prof. Konrad Steffen, einem bekannten Schweizer Polarforscher, der mich sehr beeindruckt hat. Er erzählte uns, dass alleine Grönland jedes Jahr 350 Gigatonnen Eis verliert, also eine rund 6 Mal so grosse Eismasse wie in den gesamten Schweizer Alpen gespeichert ist (60 Gigatonnen). Zudem erwärmt sich die Arktis bereits heute 2 bis 3 Mal schneller als die Erde im Durchschnitt. Ich finde diese Fakten jedes Mal aufs Neue erschreckend, besonders weil die Temperaturen auch in Regionen die im globalen Durchschnitt liegen schon stark ansteigen. Es wird deshalb erwartet, dass es bereits in 30 Jahren im Sommer kein Eis mehr geben wird in der Arktis. Doch das ist noch nicht alles. Auch der gefrorene Boden (Permafrost) wird gemäss aktuellen Studien in Zukunft vermehrt auftauen und könnte somit zu einer ganz neuen CO2 Quelle werden. Der Gedanke, dass diese Veränderungen so schnell passieren, bringt mich immer wieder ins Grübeln. Doch genau deshalb freue ich mich noch mehr, dass ich ein Teil dieses Teams bin und auf diese Art auf den Klimawandel aufmerksam machen kann.

Das Trainingscamp hat mir sehr viel Spass gemacht. Besonders überrascht hat mich aber, dass wir schon nach kurzer Zeit zu einem guten Team zusammengewachsen sind. Ich möchte mich an dieser Stelle im Namen vom ganzen Team nochmals für die tolle Organisation bei Charles Michel und Doris Codiga bedanken. Leider ist oftmals nicht sichtbar, wie viel Arbeit hinter solch einem Projekt steckt. Die beiden sind jeden Tag mit vollem Einsatz dran, damit das Projekt ein Erfolg wird und müssen sich Tag für Tag neuen Problemen stellen, von denen wir oftmals gar nichts mitbekommen! Vielen herzlichen Dank an euch beide für diese tolle Arbeit!

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