Schiffe gehören zu den schlimmsten Umweltsündern. Allein die 15 größten Schiffe der Welt stossen pro Jahr so viele Schadstoffe aus wie 750 Millionen Autos, so der NABU (Naturschutzbund Deutschland). Die MV SAN GOTTARDO verbraucht pro Stunde etwa gleich viel Dieseltreibstoff wie ein sparsamer Offroader (8 l/h). Sie gehört damit zu den sparsamsten Expeditionsschiffen der Welt. Die Bewerberin Rebekka Neff hat uns unseren eigenen CO2 Ausstoss vorgerechnet und Vorschläge gemacht, wie wir es besser machen könnten. Im Voting hat sie es dann leider nicht unter die besten 10 geschafft. Aber sie hat es geschafft, dass sich unser Partner Kontiki Reisen aus Baden und unser Team intensiv mit dieser Frage und dem Vorschlag beschäftigt haben.

Tatsächlich war es von Beginn an ein grosses Thema, wie wir die CO2-Belastung durch unser Projekt so tief wie möglich halten können. In diesem Beitrag möchte ich euch zeigen, wie wir mit diesem Thema umgehen. Dazu habe ich Rebekkas Berechnung unserem Reisepartner vorgelegt. Kontiki Reisen hat bald 40 Jahre Erfahrung mit Reisen in den Norden. Nicht von ungefähr strebt Kontiki Reisen deshalb an, der führende nachhaltige Reiseveranstalter für den Norden zu sein. Seit März 2013 ist Kontiki Reisen mit dem TourCert “CSR-Tourism certified” Siegel ausgezeichnet.

Ich will das Engagement von Rebekka Neff aufnehmen und in unserer Antwort alle Überlegungen offen legen. Kontiki hat uns in einer Stellungnahme geschrieben, dass sie sich der schädlichen Auswirkungen von Mobilität, insbesondere von Flügen, auf das Klima bewusst sind. Ihr Anliegen sei es, die positiven wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Wirkungen ihrer Tätigkeit zu stärken und negative Wirkungen zu verringern. Sie setzen deshalb wo möglich auf Direktflüge, Kundensensibilisierung über den Zusammenhang zwischen Reisedistanz und Reisedauer und Kompensation der entstehenden CO2-Emissionen. Doch zu Beginn ein Auszug von Rebekkas Berechnung und unten angefügt unsere Überlegungen.

“Wichtig ist mir, dass das Projekt möglichst CO2 Neutral ist.”

“Ich habe gleich mal den ganzen Tag recherchiert & alles genau studiert, da ich ehrlich gesagt etwas skeptisch war oder noch bin. Doch auch ich wollte unbedingt mit als ich davon erfuhr. Ich wollte aber genauer wissen was das für einen Fussabdruck hinterlässt, wenn ich dabei sein könnte & vor allem ob sich dieser nicht noch reduzieren lässt.
Das produzierte CO2 im Wert von Geld in Projekte zu investieren, die das CO2 wieder kompensieren ist sicher eine sehr gute Art, es soll aber nicht alles produzieren rechtfertigen. Man kennt ja den Reboundeffect, Autos brauchen weniger Benzin, es gibt dafür immer mehr Autos….

Vielleicht merkt ihr. Ich bin kritisch & ehrlich.

Etwas Gutes tun? Ist es das wirklich? Kann man es noch besser machen?

Ihr sagt:
Öffentlich Wasser predigen und heimlich Wein trinken. (Die Überlegungen dort finde ich bemerkenswert, doch würde ich es gerne noch weiterziehen)
Ich frage:
Globale Erwärmung ändern wollen & trotzdem fliegen? C02 zu kompensieren antstatt es nicht zu produzieren?

Kleine Rechnungen:
Crew: 10 Mitglieder, 1 wohnt in Spitzbergen, also 9 Reisende

Reise:
CO2 hin & zurück: 11.7t
Flug: Zürich – Spitzbergen
Reisezeit (ohne Wartezeit): ca. 5h
Kosten: ca. 700.-/Person

Mein Vorschlag:
CO2 hin & zurück: 4.84t
Zug: Zürich – Hamburg – Kopenhagen – Stockholm – Narvik (0.36t CO2), Bus: Narvic – Tromsö (0.09t CO2), Flug: Tromsö – Spitzbergen (1.97t CO2),
Ersparnis: 6.86t, Entspricht der Hälfte des Konsums eines Durchschnitt Schweizers (13,51t CO2/J) den wir gemeinsam einsparen könnten.
Reisezeit (ohne Wartezeit): ca. 48h
Kosten ca. : Interrail Pass ein Weg, bis 27J. ca. 200.- ab 27J. 270.- Plus Reservationen, ca. 200.- pro Weg, 800.- hin & zurück plus Flug hin & zurück ca. 400.- ergibt ca. 1200.-/Person

Quellen CO2 Rechnung:
https://www.myclimate.org
https://calculator.carbonfootprint.com

Kommentar:
Es wäre hier natürlich schön das Flugzeug von Tromsö nach Spitzbergen auch noch zu streichen, in meiner Tagesrecherche wurde mir aber bewusst, dass das ziemlich schwierig ist da Kreuzfahrtschiffe keine Einweg-Passagiere mitnehmen & Alternativen schwer zu finden sind. Doch zusammen würde man da sicher noch eine Alternative finden!

Grundsätzlich gesagt. Es ist nicht wirklich eine ökologische Reise für einen eigentlich ökologischen Zweck. Man muss viel aus dieser Reise herausholen um das zu rechtfertigen. Doch genau hier sehe ich die Chance & auch den Grund wieso ich gerne mitkommen würde & wieso ich das SwissArcticProject gut finde. Ich glaube daran, dass das Projekt etwas bewirken kann. & ich besitze viel Energie in mir die dazu bereit ist, sich dafür einzusetzen! Vielleicht hier schon mit dem Anfang gewisse Ansätze möglicherweise nochmals zu überdenken. Ich würde mich freuen Menschen zu treffen die bereit sind solche Themen aufzufassen, Kritik entgegenzunehmen & dann gemeinsam den bestmöglichen Weg ausfindig zu machen, jeder auf seine Weise. Bin ich nur schon froh wenn ich manche dazu angeregt habe mit dem Zug ein Vorabenteuer anzutreten, auch wenn ich selber nicht dabei sein könnte. “

Kontiki Reisen nimmt dazu Stellung und macht grundsätzliche Überlegungen mit Empfehlungen des WWF:

Umweltschonende Transportmittel sollten bei der An- und Abreise soweit möglich und vertretbar (Zeitaufwand, Qualität der Verbindungen, Sicherheit, Entfernung) genutzt werden. Feriendauer und Entfernung zum Ziel sollten in einem vertretbaren Verhältnis stehen. Der WWF hat zum Thema folgende Richtwerte kommuniziert: Flüge unter 700 Kilometer sind zu vermeiden, hier empfiehlt sich Zug oder Reisebus. Für Distanzen ab 700 Kilometer sollten Sie mindestens acht Tage Aufenthalt und ab 2.000 Kilometer mindestens 15 Tage Aufenthalt einplanen. Die persönliche Einschätzung inwieweit Zeitaufwand, Qualität der Verbindung, Sicherheit und Entfernung vertretbar sind, ist natürlich sehr individuell.

CO2 zu reduzieren und mit dem Zug/Bus/Schiff zu reisen, wäre möglich

Der Ball liegt also bei uns und Rebekka hat recht; die Reise mit dem Zug wäre ein tolles Vorabenteuer und ökologisch besser. Doch wir müssen auch noch weitere Punkte berücksichtigen und haben uns weitere Überlegungen gemacht wie: Können wir die zusätzliche Reisedauer irgendwie in das Projekt einrechnen? Dies wäre eine Verlängerung der Reise von sechs Tagen (Hin- und Rückreise).
Wie sieht es mit dem Material aus? Der Versand der Material-Kisten wäre ein riesiger, zusätzlicher Aufwand und würde Mehrkosten bedeuten. Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Doch sind wir nun zufrieden damit. Aus zeitlichen Gründen ist es uns nicht mehr möglich, alles neu zu organisieren. Die Zeitpläne sind gemacht und der Transport vom Material ist organisiert. Im Bewusstsein, dass es zum heutigen Zeitpunkt keine Reise in polare Gebiete gibt, ohne unsere Umwelt mit CO2 zu belasten, werden wir unser Projekt mit unserem Partner MyClimate kompensieren. Doch für die Expedition 2019 werden die Karten neu gemischt. Wir werden die Ideen von Rebekka aufnehmen und vielleicht das grosse Abenteuer mit einem tollen Vorabenteuer verbinden.

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