300 Kilometer nördlich vom Polarkreis steht die MV SAN GOTTARDO auf der Norwegischen Insel Andøya, mitten im tiefen Winter. Das ist überraschend, denn eigentlich sollte unser Expeditionsschiff jetzt in der Werft in Holland stehen. Überraschend ist auch das Winterklima in Andøya. Die Temperaturen sind nur knapp um den Gefrierpunkt. In anderen Regionen der Erde, die etwa gleich nah beim Nordpol liegen, muss man sich um diese Jahreszeit sehr warm anziehen. Da sind jetzt Temperaturen um -50 Grad normal. Dieses extrem milde Klima verdanken die Norweger dem Golfstrom. Warum wir hier, etwa 3000 Kilometer weit weg vom Ziel, gestrandet sind, möchte ich Euch in diesem Beitrag erzählen.

Das Sturmtief Sebastian und die darauf folgenden, dramatischen Herbststürme Xavier und Herwart sind noch nicht lange zurück. Sie haben riesige Sachschäden verursacht und leider auch Menschenleben gefordert. Genau in dieser Zeit waren wir auf der Rückreise von der Arktis in die Werft nach Holland. Gerade rechtzeitig erreichten wir im Norden von Norwegen auf der Insel Andøya den Fischerhafen in Andenes. Ein Weiterfahren war zu diesem Zeitpunkt nicht zu verantworten. Das Meer kochte. So haben wir uns entschieden, in Andenes auf besseres Wetter zu warten.

In der Nacht vom 8. September auf den 9. September tobte wieder ein heftiger Sturm aus West über den Norden von Norwegen. Der Sturm war so heftig, dass die dicken Leinen der MV SAN GOTTARDO bis zum äussersten belastet wurden. Die erste der vier Leinen riss kurz nach Mitternacht. Der Hafenmeister Odd organisierte starke Männer der lokalen Feuerwehr. Dank ihrer Hilfe konnte die MV SAN GOTTARDO in dieser Nacht gerettet werden. In den nächsten Tagen wurde klar, dass unser Schiff nicht in diesem Hafen bleiben konnte. Wieder war es der hilfreiche Hafenmeister, der einen neuen Hafenplatz organisierte. Dieser liegt etwa 40 Kilometer südlich, auf der Ostseite der Insel in einer natürlichen Bucht vor Risøyhamn.

Das Dorf hat etwa 200 Einwohner. Der kleine Sportboothafen ist eigentlich nicht ausgelegt für so grosse Schiffe wie unseres. Doch der Hafenmeister Karl machte es möglich und organisierte sogar eine neue 400Volt-Starkstromleitung für unser Schiff. Bald wurde klar, dass eine Weiterfahrt bis zum Wintereinbruch nicht mehr möglich ist. So haben wir entschieden, dass unser Schiff über den Winter in Norwegen bleibt. Hafenmeister Karl wird täglich das Schiff besuchen, die Leinen prüfen und das Elektrosystem kontrollieren. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass 3000 Kilometer weg von Zuhause hilfsbereite Menschen für unser Schiff schauen. Danke!

Die Umstände mögen nicht ideal gewesen sein, wie wir in Andøya gestrandet sind, ein tolles Erlebnis war es allemal. Denn toll sind nicht nur die Menschen, auch die Landschaft ist atemberaubend schön. Ich will gar nicht so viel darüber schreiben, denn die folgenden Bilder sprechen für sich.

Ein kleiner Schalter mit grosser Wirkung

Bald ist es soweit. Die MV SAN GOTTARDO startet ins grosse Abenteuer. So bald das Wetter dies erlaubt, werden wir los fahren. Als letzten Blogbeitrag zum Thema Vorbereitungsarbeiten ein Blick in eine Welt, die nicht sichtbar ist. Gerade deshalb ist der...

mehr lesen

Eine Dieseldusche kurz vor dem Abendessen

Als Fotograf und Kameramann bin ich mir nicht gewohnt, bei der Arbeit schmierige und dreckige Hände zu erhalten. Alle 250 Betriebsstunden muss bei der Hauptmaschine von der MV SAN GOTTARDO ein Service gemacht werden. Egal, in welchem Hafen das Schiff steht oder sogar...

mehr lesen

Surfen ist in der Arktis extrem teuer

Seit wir vor etwa zwei Wochen nach Norwegen zur MV SAN GOTTARDO gefahren sind, haben wir ununterbrochen gearbeitet. Es ist für aussen stehende nicht verständlich, warum wir noch so viele Arbeiten am Schiff ausführen müssen, wo wir doch schon im vergangenen Jahr...

mehr lesen
Share This