Es gibt Ereignisse, die ihre Schatten weit voraus werfen. Von Schweizer Prof. Dr. Konrad Steffen habe ich schon vor vielen Jahren gehört. Ein Kollege beim SRF hatte ihn in Grönland begleitet und einen Bericht über ihn und seine Arbeit gemacht. Bei den konkreten Vorbereitungen zu diesem Projekt war sein Name omnipresent. Diesen Mann musste ich kennen lernen. Doch die letzte Adresse, die ich von ihm hatte, war aus Colorado in den USA. Das lag nicht gerade am Weg, um ihn zum Thema Klimawandel auszufragen

Eine befreundete Studentin schrieb mir Ende Sommer 2017 per Mail, dass er im Rahmen der Sonderausstellung „Schweizer Polarforschung – Swiss Camp“ an der ETH Zürich einen Vortrag halten werde.

Zu dieser Zeit waren wir mit der MV SAN GOTARDO auf der Rückreise aus der Arktis, irgendwo vor den Küsten Nordnorwegens mit dem Auftrag, das Schiff nach Holland in die Werft zu fahren. Wieder eine schlechte Ausgangslage, um ihn persönlich zu treffen. Das Schicksal half mit, das zu ändern. Schwere Stürme zwangen uns, die Rückreise abzubrechen und wir parkten das Schiff im Hafen von Andenes, nördlich der Lofoten. Müde von der langen Reise schafften wir es am Tag seines Vortrages zurück in die Schweiz.

Sein Vortrag war beeindruckend. Er erzählte, dass in Grönland aktuell 300 Milliarden Tonnen Eis für immer wegschmelzen. Er erzähle von seinen Forschungsarbeiten und welche dramatischen Veränderungen auf die Erde zukommen. Viel beeindruckender für mich war jedoch seine Persönlichkeit; offen, sympathisch und extrem charismatisch.

Es zeigte sich, dass meine Informationen über ihn veraltet sind. Die Schweiz hat ihn wieder. Nach seiner Professur an der Universität von Colorado USA, wo er 15 Jahre lang gelehrt hatte, wurde er vom Schweizer Bundesrat zum Direktor der Schweizerischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL gewählt. Zudem ist er Mitbegründer und Direktor vom Schweizerischen Polarforschungsinstitut EPFL.
Überhaupt, sein Lebenslauf ist beeindruckend. Wir haben uns wenige Tage nach dem Vortrag in seinem Büro getroffen. Eigentlich wollte ich ihn weiter zum Klimawandel ausfragen und ihn dazu gewinnen, unser Projekt aus wissenschaftlicher Sicht zu prüfen.

Ich habe in meinem Berufsleben schon mit vielen wichtigen Menschen gesprochen. Trotzdem klopfte mein Herz mächtig, als ich im Foyer vom WSL auf den Termin mit ihm wartete. Mit seiner herzlichen und offenen Art war innert Minuten das Eis gebrochen und wir fachsimpelten über Probleme mit der Arbeit im ewigen Eis. Es zeigte sich auch immer wieder, wie schwierig es ist, wissenschaftliche Ergebnisse in eine Sprache zu übersetzen, die auch Menschen verstehen, die nicht aus diesem Forschungsumfeld stammen. Es entstand die Idee, die Zusammenarbeit der Sache zuliebe zu festigen und für die jugendlichen Expeditionsteilnehmer eine fachliche Anlaufstelle zu etablieren.

Am Schluss des langen Gespräches war es dann doch wie an Weihnachten: Konrad Steffen hatte sich angeboten, das Projekt tatkräftig zu unterstützen. Als wissenschaftlicher Pate wird er den jugendlichen Expeditionsteilnehmern für alle Fragen rund um die Klima- und Polarforschung zur Verfügung stehen. Ein Geschenk, das nicht mit Geld aufgewogen werden kann und zeigt, wo sein Herz schlägt.

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