Seit Menschengedenken fahren die niederländischen Fischer hinaus auf den Atlantik, die Nordsee oder das Polarmeer. Die Niederlande gehören zu den ältesten Fischfangnationen Europas. Doch die Zeiten der kleinen Fischerboote ist längst vorbei. Die alten Kutter sind eingemottet. Übriggeblieben ist eine ultramoderne Flotte aus wenigen aber äusserst effizienten, schwimmenden Fischfabriken. Dieser Strukturwandel bedeutete für viele niederländischen Fischer der finanzielle Ruin. Nicht anders erging es auch den fünf Brüdern, die anfangs der 60er Jahre die HA77 (Urschiff der „MV SAN GOTTARDO“) bauen liessen. Nach nur zwei Jahren konnten sie die Hypotheken für das Schiff nicht mehr bezahlen und das Schiff musste versteigert werden.

Die Geschichte der MV SAN GOTTARDO beginnt vor 55 Jahren in dem kleinen Fischerdorf Harlingen im Norden der Niederlande. Dort wurde es 1963 von den Gebrüdern Amels als Fischkutter HA77 „Vijf Gebroeders“ (Fünf Brüder) in Betrieb genommen. In den folgenden Jahren wurde der Kutter mehrmals umgebaut und modernisiert, bis es 1994 nach über 30 Jahren aus dem Betrieb genommen wurde.

13 Jahre lang fuhr der Holländische Schiffskapitän Gerrit de Jong regelmässig am Schiff vorbei, das auf einem Abstellplatz auf bessere Zeiten wartete. Gemäss seinen Erzählungen wollte er das Schiff unbedingt kaufen, konnte sich aber mit dem neuen Besitzer nicht einigen. Erst im Frühjahr 2006 einigten sich der Verkäufer und G. de Jong und für den ausgedienten Fischkutter begann ein neues Leben.

Der Rumpf wurde gebaut für die harten Gewässer der Nordsee

Es war der extrem robuste Rumpf des Fischkutters, den der alte und erfahrene Seebär verwenden wollte, um ein hochseetaugliches Schiff zu bauen. Der Schiffsarchitekt und Ingenieur Otto Brinkma zeichnete die neuen Pläne und 2007 begannen die Arbeiten unter Aufsicht des Technischen Departements vom Holländischen Schiffsbauregisters in der kleinen, holländischen Werft  De Toekomst in Waspik. Das Schiff wurde komplett zerlegt. Nur der nackte Rumpf blieb übrig. Der neue Aufbau für die Kabinen und den Salon wurde aus Stahl gefertigt. Darauf aufgesetzt wurde das neue Steuerhaus aus Aluminium.

In der Yachtwerft Altena in Raamsdonksveer wurde in den folgenden Jahren der Innenausbau und die technische Ausrüstung gebaut. Ein extrem standfester, überholter 221 KW Schiffsmotor vom Typ Caterpillar D343 bildet das Herz des Schiffes. Alle wichtigen Systeme wurden mindestens doppelt eingebaut, die sicherheitsrelevanten Systeme sogar dreifach. Dazu gehören auch zwei Dieselgeneratoren (14’000 und 32’000 Watt), Solarpanele, zwei Radarsysteme, drei unabhängige GPS-Navigationssysteme und eine 200 Liter/h Salzwasseraufbereitungsanlage. Natürlich wurden auch die Heizungssysteme (drei) so ausgelegt, dass es im Schiff niemals kalt wird. Kommuniziert wird über UKW, Kurzwelle oder Satellitentelefon.

Alle sicherheitsrelevanten Systeme sind doppelt vorhanden

Ein klassisches Lenkrad sucht man im Steuerhaus vergebens. Die Steuerung erfolgt über Joysticks. Aber auch hier wird die Sicherheit gross geschrieben. Bei einem Ausfall der gesamten Elektronik steht für die Steuerung eine eigenständige, hydraulische Notsteuerung bereit (mit eigener Batterie und eigener Pumpe) und für die Naivgation ein mechanischer Schiffskompass.

Die elektrische Versorgung vom ganzen Schiff besteht aus drei getrennten Spannungsnetzen: 400/220/24-Volt. Dank diesen drei Systemen können z.B. in der Küche zwei Handelsübliche Backöfen, Waschmaschine und Wäschetrockner oder zwei Tiefkühltruhen betrieben werden. Für die ganz grosse Reise steht für die Lebensmittel neben einem konventionellen Kühlschrank ein begehbarer Kühlraum bereit.

Dass der Bau eines so komplexen Schiffes nicht nur sehr teuer ist, sondern auch vom Bauherren überwacht werden muss, versteht sich von selbst. In der ganzen Bauzeit besuchte G. de Jong beinahe täglich die Werft, um die Arbeiten zu koordinieren und zu kontrollieren. Im ganzen Schiff, in jeder Detaillösung spürt man die Kompetenz von diesem erfahrenen Seemann. Wir sind stolz, dass wir am 17. Mai 2015 das Schiff von Gerrit de Jong für unser Projekt übernehmen durften.

Das Urschiff der MV SAN GOTTARDO: 1963 wurde sie von den Gebrüdern Amels als Fischkutter HA77 „Vijf Gebroeders“ (Fünf Brüder) in Betrieb genommen. In den folgenden Jahren wurde der Kutter mehrmals umgebaut und modernisiert, bis es 1994 nach über 30 Jahren aus dem Betrieb genommen wurde.

Der Holländische Schiffskapitän Gerrit de Jong kaufte 2006 den ausgedienten Fischkutter HA77. Ab Frühjahr 2007 beginnen die jahrelangen Arbeiten unter Aufsicht des Technischen Departements vom Holländischen Schiffsbauregister.

Nur der Rumpf blieb vom ehemaligen Fischkutter HA77 übrig. Die Niederländische Werft “De Toekomst” in Waspik zerlegte den Kutter und baute nach den Plänen von Schiffsarchitekt Otto Brinkma den Aufbau für das neue Schiff.

In den Werkhallen von De Toekomst wurde der neue Aufbau aus Stahl und das neue Steuerhaus aus Aluminium geschweisst. Auf dem Bild bereits zu erkennen sind die typischen Fenster vom Salon und die Portuguese Bridge vom Steuerhaus.

Bereits im Oktober 2007 war es soweit; Die in den Werkhallen vorgefertigten Aufbauten aus Aluminium und Stahl wurden mit dem alten Rumpf des Fischkutters verschweisst.

Sommer 2016: Die MV SAN GOTTARDO erhält den neuen Anstrich und die letzten Arbeiten an der Technik werden abgeschlossen.

Endlose Kabelbäume verzweigen sich im Schiff. Den Überblick zu behalten ist manchmal auch für Profis schwierig. Immerhin müssen alleine auf dem Radarmast Funk-, Radarantennen, Satellitenschüsseln, Lichter, Nebelhörner und viele mehr installiert werden.

Bald ist es soweit; nach Jahren des Umbaus und Anpassungen erhält der ehemalige Fischkutter HA77 seinen neuen Namen „MV SAN GOTTARDO“.

Keine Nostalgie im neuen Steuerhaus. Die Avionik vom Schiff ist für extreme Fahrten ausgelegt. Alle wichtigen Systeme sind mindestens zwei mal vorhanden. Das Schiff wird nur über Joysticks gesteuert.

Der 30. Juli 2016 ist der grosse Tag für die „MV SAN GOTTARDO“. Um 13:30 Uhr wird das Schiff im Hafen der Werft Altena in Raamsdonksveer ins Wasser gelassen. Doch bevor die Reise ins Nordpolarmeer beginnen kann, sind ausgiebige Testfahrten vor den Küsten Hollands angesagt. Erst wenn alle Systeme einwandfrei funktionieren, beginnt die grosse Fahrt.

Möchtest auch Du am Steuer sitzen?

Es ist ein aussergewöhnliches Erlebnis, die MV SAN GOTTARDO durch das Polarmeer zu steuern. Als Teilnehmer des SWISS ARCTIC PROJECT 2018 wirst Du unter Suport der Crew dieses Privileg erleben dürfen. Bewirb Dich noch heute.

Das Swiss Arctic Project in den Social Media

Die Expedition des Swiss Arctic Project nähert sich langsam dem Ende. Ziel ist es, dass die Teilnehmer von ihren Erfahrungen, Eindrücken und neu erlernten Wissen bezüglich den Auswirkungen des Klimawandels über diverse Social Media berichten. Dadurch sollen sie ihren...

mehr lesen

Ein kleiner Schalter mit grosser Wirkung

Bald ist es soweit. Die MV SAN GOTTARDO startet ins grosse Abenteuer. So bald das Wetter dies erlaubt, werden wir los fahren. Als letzten Blogbeitrag zum Thema Vorbereitungsarbeiten ein Blick in eine Welt, die nicht sichtbar ist. Gerade deshalb ist der...

mehr lesen

Eine Dieseldusche kurz vor dem Abendessen

Als Fotograf und Kameramann bin ich mir nicht gewohnt, bei der Arbeit schmierige und dreckige Hände zu erhalten. Alle 250 Betriebsstunden muss bei der Hauptmaschine von der MV SAN GOTTARDO ein Service gemacht werden. Egal, in welchem Hafen das Schiff steht oder sogar...

mehr lesen
Share This